Die Grünen im Kreistag Recklinghausen

15.11. 2007

Anregung aus Kreis zur Einrichtung eines Modellprojektes in NRW: Die Produktionsschule

Filed under: GRÜNE vor Ort - Administrator @ 19:19


In Mecklenburg-Vorpommern existieren bereits seit Jahren so genannte „Prodkutionsschulen“ – so etwa in der beschaulichen Ostsee-Stadt Barth (9.200 Einwohner) : http://www.produktionsschule-barth.de/ . Diese Schulform ist der reformpädagogischen Tradition Dänemarks entnommen und richtet sich an Schüler, die mit der Theorielastigkeit klassischer Schulformen nicht zurecht kommen, an  den Abiturienten, der noch herausfinden möchte, ob er lieber ein Handwerk lernen oder studieren möchte, oder die Realschülerin, die nach der Schule noch keinen Job gefunden hat und die Zeit sinnvoll nutzen möchte. Der Schwerpunkt liegt auf praktischer Projektarbeit, die Theorie wird nur bei Bedarf zugeblendet.

Auch bei uns in NRW gibt es zahllose Einrichtungen oft in privater Trägerschaft, die sich dieses Schülerpotentials gegen Bezahlung durch die Arbeitsagenturen oft in Verbindung mit den lokalen Volkshochschulen und Berufsschulen (etwa zum Nachholen des Schulabschlusses) annehmen. Hier bei uns vor Ort sind dies etwa die Deutsche Steinkohle in Datteln, FAA Bildungsgesellschaft in Gelsenkirchen, "Jugend in Arbeit" in Recklinghausen usw.. Diese Lösung wirft einige Probleme wie etwa die einheitliche Quantifizierung von Erfolgen dieser Bildung, die Frage nach dem Verbleib der Maßnahmeteilnehmer nach dem - nicht seltenen - Konkurs des Bildungsträgers und die fehlende Transparenz nach außen auf - die Betroffenen erfahren in der Regel erst durch ihre Berater selektiv von den gestreuten Angeboten.

Die Kreistagsfraktion kann sich hier als alternative Schulform die Produktionsschule (analog zu den Berufskollegs in der Trägerschaft der Kreise und kreisfreien Städte (SchulG NRW §78, Abs. 2)) vorstellen, auch um ein verlässliches Angebot für den wachsenden Personenkreis der Schulabbrecher zu gewährleisten.

In NRW gibt es bisher keine  Produktionsschulen, aber auf dem letzten Parteirat der NRW-Grünen wurde der Idee nachgegangen.  Für ein wünschenswertes Modellprojekt müssen zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen durch das Land geändert werden. Geld ist genug im System – es landet nur leider oft in den falschen Taschen.

Einige Zitate aus einem themenspezifischen Vortrag:

"Zwei Fünftel der Ausbildungsanfänger beginnt den Start ins Berufsleben mit Unsicherheit und ohne konkrete Berufsbildungsperspektive."; "Etablierung eines Übergangssystems zwischen Schule und dualem System – Steigerung der Neuzugänge von rund 341.000 im Jahr 1995 auf rund 488.000 im Jahr 2004"; "Konsortium Bildungsberichterstattung: Das Übergangssystem: ‘die möglicherweise folgenreichste und auch problematischste Strukturverschiebung’ im deutschen Bildungswesen"; "Fazit: Das Bewusstsein wächst, dass eine Neuformatierung der BNF (Benachteiligtenförderung) notwendig ist. Aber: Akteure und die Fachszene sind systematisch ratlos."

(Zitate aus: Vortrag Bojanowski. PDF hier: http://www.produktionsschule-barth.de/index.php?Page=7-1-2 )

Der Kreis Recklinghausen verfügt einerseits über eine Vielzahl von renovierungsbedürftigen Altbauten, die von den Schülern auch als eigene Schule ausgebaut werden können und zum anderen ist hier der Anteil an Problemschülern, nicht zuletzt mit Migrationshintergrund, hoch. Damit bietet sich der Kreis für ein - hoffentlich bald kommendes - Pilotprojekt "Produktionsschule" an.

Franz Wegener, Sachkundiger Bürger im Wirtschafts- u. Strukturausschuss 

Comments

The URI to TrackBack this entry is: http://ktfre.blogsome.com/2007/11/15/anregung-aus-kreis-zur-einrichtung-eines-modellprojektes-in-nrw-die-produktionsschule/trackback/

No comments yet.

RSS feed for comments on this post.

Leave a comment

Sorry, the comment form is closed at this time.

Get free blog up and running in minutes with Blogsome
Theme designed by Alex King